Gesichtskoloration OpenCanvas Tutorial

Allgemeines

In diesem Tutorial erhältst Du eine kurze Einführung wie Du mit Hilfe des Grafikprogramms „Open Canvas“ die Gesichter Deiner Charaktere kolorieren kannst. Primär dazu gehören die dazu die Partien:

  • Augen
  • Haare
  • Hautfarbe

Dies soll auch die Gliederung für dieses Tutorial darstellen. Bevor Du loslegst benötigst Du jedoch noch eine Zeichenvorlage die Du kolorieren möchtest. Zudem bietet sich ein Grafik-Tablett an, da Du Deine Zeichnung so exakter und genauer kolorieren kannst.

Die Augen

Zunächst zeichnest Du die Outlines Deines Auges auf die Standard-Ebene (Standard-Layer). Anschliessend fügst Du die Wimpern des Auges einfach nach Belieben ein.

Ist Dir dies erfolgreich gelungen, kannst Du als nächstes ein so genanntes „Multiply-Layer“ anlegen und füllst die Iris des Auges, dass Du kolorieren möchtest mit einer Farbe Deiner Wahl aus. Wichtig ist hierbei, dass die Farbe deckend ist. Diesen Effekt erzielst Du bei den meisten Grafikprogrammen auch mit dem Farbeimerchen.

Nun geht es ans Eingemachte. Du zeichnest als nächstes auf einem komplett neu erstellten Layer den ersten Deiner Schatten nach. Es empfiehlt sich nun, den äusseren Pupillenrand ein wenig zu verwischen. Hierzu kannst Du entweder das „Verwischen“-Tool verwenden oder den entsprechenden Bereich anwählen, markieren und dann mit einem Weichmacher-Filter ein wenig verwischen. Das ganze sieht dann folgendermassen aus:

Als nächstes solltest Du ein wenig mehr Effekt in Deine Pupille bringen. Dazu zeichnest Du am besten zwischen der Pupille und dem äusseren Rand des Auges, links und rechts eine helle Sichel auf einen weiteren (Additional) Layer. Anschliessend kannst Du die beiden hellen Sicheln ein wenig verwischen damit die Übergänge nicht so beissend hart wirken.

Nun sieht Deine Pupille direkt schon ein wenig dreidimensionaler aus. Jedoch ist Deine Iris noch nicht fertig. Ihr fehlen immer noch die vielen kleinen Pigmente, die ein Auge erst interessant machen. Du fügst nun erneut einen neuen Layer in Deine Zeichnung ein und zeichnest nun entsprechend die kleinen Punkte Deiner Iris in Dein Auge ein. Das Ergebnis sollte dann in etwa folgendermassen aussehen

Nun erstellst Du erneut einen Additional-Layer und fügst die eben erstellten Details Deiner Iris in Deinen Layer ein. Das Zusammenfügen der Layer sieht betrachtet nun eventuell so aus:

Nun bist Du fast fertig. Es fehlen lediglich nur noch die Lichteffekte, die Augen in aller Regel erst erstrahlen und lebendig wirken lassen. Dazu musst Du nun noch einen weiteren „Additional-Layer“ anlegen und Dir danach überlegen, aus welcher Richtung bevorzugt das Licht kommen mag. Hast Du Dich nun für eine Richtung entschieden, kannst Du die ein paar Lichtkreise einfügen.

Auch hierbei solltest Du darauf achten, dass die äusseren Ränder der Lichtkreise ein wenig verlaufen, damit sie nicht allzu starr wirken. Auch solltest Du nicht zu viele Lichtkreise in Deine Iris zeichnen, da sie sonst das Auge überladen könnten und von den eigentlichen Effekten ablenken. Hast Du die Lichtkreise nun eingezeichnet könnte ein mögliches Ergebnis folgendermassen aussehen:

Dein Auge wirkt aber immer noch ein wenig statisch. Dies kann beispielsweise daran liegen, dass um die Iris herum noch kein Schatten existiert. Schattiere darum am besten mit einer grau nuancierten Farbe Deiner Wahl Dein Auge an den Wimpern und den Rändern Deines Auges an und verwische die Farbe ein wenig. Nun ist Dein Kunstwerk fertig und könnte entsprechend so aussehen:

Bei der eben genannten Vorhergehensweise handelt es sich nur um mögliches Beispiel. Du bist natürlich angehalten, Deiner Fantasie freien Lauf zu lassen und Deine eigenen Ideen zu entfalten. Dieses Tutorial dient lediglich als eine Art Leitfaden zur Konzeption neuer Ideen. Auch wenn Dir noch eklatante Dinge fehlen, die Dir unter den Nägeln brennen, kannst Du sie an dieser Stelle gerne hier einfügen.

Haare

Auch hier ist der erste Schritt wieder eine Skizze. Die kannst eine von Hand auf Papier gezeichnete Skizze entweder einscannen oder direkt mit Deinem Grafik-Tablett erstellen.

Fertigst Du die Skizze für die Haare an, ist es ratsam die nach unten auslaufenden Linien möglichst dünn werden zu lassen. Dies erreichst Du, wenn Du Deinen Stift möglichst schnell und zügig führst und ihn zum Ende hin ausrauschen lässt (Egal ob Grafik-Tablett oder Handskizze).

Nun kannst Du mit der eigentlichen Koloration beginnen. Zunächst kannst Du die Haare mit einem Stift, der möglichst gleichmässig deckt (also kein airbrush-artiges Tool) ausmalen. Viele Zeichner bevorzugen es nicht über die Outlines hinauszuzeichnen. Dies ist jedoch reine Geschmackssache. Ungenaue Übermalungen können recht interessante Effekte hervorrufen. Daher wurde in diesem Tutorial, diese Variante gewählt. Ausserdem hat dieses Verfahren den Vorteil, dass keine Lücken in der Kolorierung entstehen.

Einen Nachteil gibt es bei diesem Verfahren jedoch trotzdem. Du musst später einen „Multiply-Layer“ anlegen. Alternativ kannst Du auch den Standard-Layer unter den Layer legen auf dem sich die Outlines befinden.

Nun geht es schliesslich an das Schattieren. Die schönsten Haare wirken nicht, wenn sie keinen Lichteffekten folgen. Auch hierzu benötigst Du einen weiteren Layer. Lege diesen nun über den Layer, der die Grundfarbe Deiner Haare enthält. Optimalerweise sollte die Farbe mit der Du schattierst, ein wenig dunkler sein.

Den Schatten kannst Du entweder mit einem Airbrush-Tool einzeichnen oder Du nimmst Dir einen recht groben Pinsel und verwischst die Konturen später, so dass sie am Rande ins leicht Transparente verlaufen.

Dieses Prozedere wiederholst Du nun für die Strähnchen. Erstelle also wieder eine weitere Ebene und benutze einen Pinsel oder einen Stift um diese in Deine Zeichnung einzufügen. Deine Zeichnung sieht nun schon ein wenig plastischer aus.

Den Effekt kannst Du jedoch noch verdeutlichen, indem Du die die Deckkraft Deines Pinsels ein wenig erhöhst, und erneut in einer weiteren Multiplier-Ebene, die Strähnchen noch ein wenig anpasst.

Nun hast Du schattiert. Dort wo Schatten ist, soll aber nun auch Licht sein. Es fehlen in den Haaren, ähnlich wie Bei Deinen Augen auch nun noch ein paar kleine Lichtreflexe. Dies funktioniert ebenso leicht wie das Schattieren. Hierzu legst Du erneut ein „Additional Layer“ an. Wichtig hierbei ist, dass du den „Additional-Layer“ über den anderen und füge nun dem Pinsel dünne aber vor allem helle Linien ein.

Ein guter Wert der Deckkraft, sind ca. 75 %, dies ist aber nur ein grober Schätzwert. Letzten Endes musst Du selbst ein wenig mit Deinen Reglern herum spielen. Erscheint Dir das Licht ein wenig zu hell, minderst Du entsprechend die Deckkraft und schiebst den Regler runter. Erscheint Dir das Licht ein wenig zu dunkel kehrst Du den Prozess entsprechend um. Das ganze könnte dann etwa so aussehen.

Nun fragst Du Dich mit Sicherheit wie Du ein wenig Glanz in Deine Haare bringst. Auch dies ist nicht allzu schwer zu realisieren. Hierzu musst Du lediglich einen neuen Layer anlegen und mit Hilfe des „Airbrush-Tools“ bestimmte Partien der zu kolorierenden Haare ein wenig aufhellen. „Das Airbrush-Tool ist hier deutlich besser geeignet, da hier die Verläufe wesentlich weicher werden, als wenn Du einen normalen Pinsel zum kolorieren verwendest.

Nachdem Du im voran gegangenen Schritt erneut einen Layer erzeugt haben solltest, wirst Du eine ganze Menge von den Layer haben. Diese gilt es nun mit Hilfe der Funktion „merge down“ zusammen zu fügen. Nutzt Du ein anderes Grafik-Programm sollte es Dir über die Hilfe-Funktion möglich sein nach den Stichworten „Merge“ und „Layer“ bzw. „Ebenen zu suchen. Dort wirst Du die entsprechende Information finden.

Es kann sein, dass Du auf Deiner Zeichnung noch ein paar unschöne Reste übrig geblieben sind. Diese kannst Du einfach mit einem Radierer entfernen. Fast jeder Radierer eines etwas komplexeren Grafikprogramms hat meist noch diverse Optionen zwischen Du wählen kannst. Hier kannst Du Deinen Radierer noch individuell auf Deine Zeichnung einrichten. Dies betrifft beispielsweise den „Radius“, die „Deckkraft“, die „Kanten“ oder Ähnliches.

Nun noch ein paar Kleinigkeiten zum Fine-Tuning. Die Haare Deines Charakters kannst Du bei Bedarf noch ein wenig aufpeppen. Dies ist aber reine Geschmackssache. Probier es einfach aus und entscheide für Dich selber.

Damit Deine Haare ein wenig fülliger wirken, kannst Du einfach ein paar dunklere Strähnchen in die Haare einarbeiten. Die Farbe sollte ein wenig dunkler sein als die eigentliche Farbe des Haupthaares. Versuche dabei jedoch zu beachten, dass Du Deine Strähnchen nicht allzu gebündelt zeichnest.

Der Umgang mit den Layern sollte Dir ja mittlerweile geläufig sein. Um die Strähnchen zu zeichnen legst Du dir also als erstes einen weiteren Standard-Layer an, den Du über Deinen Outlines anordnest. Nun wählst Du am besten die Farbe des dunkelsten Schattens der Haare und zeichnest Deine Strähnchen mit dieser Farbe nach Belieben ein.

Damit Du einen besseren Gesamtüberblick erhältst, bietet es sich an nun ein wenig mehr Farbe ins Spiel zu bringen. Oft zeichnet man eine einzelne Komponenten und stellt mir Erschrecken fest, dass wenn man sie in das Gesamtkonzept einfügt, dort gar nicht so gut hinein passt wie ursprünglich erwartet.

Dazu fügst Du nun noch einen weiteren Layer mit einer Hautfarbe ein. Hierbei solltest Du eine möglichst helle Farbe wählen, damit diese Farbe, die Farbe der Haare nicht übertönt. Scheint Dir die Farbe ein wenig zu hell zu sein, kannst Du später die Deckkraft immer noch ein wenig reduzieren. Weiter kannst Du nun natürlich noch den Hintergrund mit einer Farbe füllen. Wähle dazu eine passende Farbe aus, die sich in das Gesamtwerk gut einpasst. Somit kommen Deine Strähnchen in den Haaren Deiner Zeichnung deutlich besser zur Geltung.

So nun bist Du fertig und das Resultat könnte übrigens folgendermassen aussehen:

Hautfarbe

Nachdem Du Dich nun hingebungsvoll mit der Koloration von Augen und Haaren beschäftigt hast kommen wir nun zur Haut. Den richtigen Ton zu treffen und Haut plastisch erscheinen zu lassen ist wohl eins der schwierigsten Aufgaben beim zeichnen. Daher soll Dir hier eine kleine Hilfestellung geboten werden.

Zunächst malst Du Dein vorgezeichnetes Gesicht mit einem Farbton Deiner Wahl aus. Dazu nutzt Du am besten einen recht grossflächigen Pinsel. Wähle nach Möglichkeit einen Farbton der nicht allzu rosig aussieht. Dies wirkt meist sehr unnatürlich. Nach diesem Schritt könnte Dein Charaktergesicht etwa folgendermassen aussehen:

Als Du die Augen und die Haare koloriert hast, hattest Du Dir überlegt, aus welcher Richtung nun Dein Licht kommen sollte. Diesen Punkt nimmst Du auch hier als Ausgangspunkt als Lichtquelle. Nun kannst Du bereits auch mit den Schattierungen beginnen. Es macht überhaupt nichts aus, wenn Deine Schatten zunächst einmal unsauber wirken.

Hast Du alle Schattierungen eingezeichnet, kannst Du diese im nächsten Schritt ein wenig verfeinern. Hierzu selektierst Du entweder einen Bereich und filterst mittels eines Weichmachers über den Bereich, oder Du benutzt das Tool „Verwischen“ um die Übergänge von Deinen Schattierungen ein wenig fliessender zu gestalten.

Nun legst Du einen zusätzlichen Multiply-Layer an. In diesem definierst Du eine dunklere Schattierung als die, der vorherigen Farbe. Durch diesen Effekt wirkt Deine Zeichnung ein wenig plastischer aber auch wieder ein wenig kantiger als vorher. Durch ein erneutes Verwischen lässt sich der Kanten-Effekt jedoch wieder beheben. Bei dem Verwischen solltest Du darauf achten, dass Du Dein Bild nicht allzu stark verwischt. Das Bild sollte nun deutlich plastischer wirken als vorher. Ein mögliches Beispiel nach diesem Schritt könnte folgender sein:

Als Vorletzten Schritt musst Du nun nur noch ein letztes Mal einen Multiply-Layer erstellen. Auch hier zeichnest Du nun noch einmal Schatten ein. Arbeite diesmal jedoch ein wenig genauer als die Male davor. Nach diesem finalen Schritt der Schattierung solltest Du Deine einzelnen Schatten nicht erneut verwischen. Darum solltest Du hier auch recht genau schauen, was Du zeichnest.

So, nun solltest Du genug schattiert haben. Nun kommen wir noch zu den Lichteffekten. Erstelle zunächst einen Additional-Layer und zeichne diesen mittels groben Licht oder einer sonstigen Struktur einfach ein wenig nach. Sicherlich sieht Deine Zeichnung nach diesem Schritt noch nicht ganz so fein aus wie Du sie Dir vorgestellt hast. Doch nachdem Du auch diese Effekte mehr oder weniger leicht verwischt hast, sollten nun auch die Übergänge der Lichteffekte weiche Übergänge aufweisen.

Eigentlich könntest Du Deine Zeichnung für gut und fertig befinden. Der Teil der nun kommt ist mehr oder minder als optional zu betrachten. Möchtest Du Deinem Charakter jedoch einen mädchenhaften Charme verleihen, kannst Du dem Gesicht nun noch ein wenig rote Wangen verleihen.

Als erstes nimmst Du Dir einen Pinsel mit möglichst grossem Radius und tupfst Deinem Charakter jeweils links und jeweils rechts 2 möglichst grosse Tupfer auf die Wangen. Diese platzierst Du entsprechend auf einen vorher neu angelegten Multiply-Layer.

Das ganze sollte nun etwas von einem Clownsgesicht haben. Dies ist aber völlig normal, denn im nächsten Schritt nimmst Du erneut das „Verwischtool“ zu Hand und verwischt so gut wie möglich die Farbe auf den Wangen. Dies machst Du schliesslich so lange, bis nur noch ein leichter, feiner Rotschimmer übrig bleibt.

Nun ist Deine Zeichnung fertig und Du solltest Besitzer diverse Layer sein. Diese musst Du nun nur noch zusammenfügen und eventuell die letzten Farbreste ausradieren.

Hinweis: Die hier im Verwendeten Bildbeispiele stammen allesamt von der Zeichnerin „KleiMo“ und dienten diesem Tutorial Beispielvorlage. Für weitere Vorschläge und Hinweise sind wir Dir natürlich dankbar.